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Geschichte  

(Nach Berichten Kurt Becker)

Die erste urkundliche Erwähnung findet sich in einer Urkunde des Erzbischof Conrad von Mainz im Jahre 1196, der von „Thveren Superior“, übersetzt Oberzwehren, spricht.

Weit vorher war das Gebiet bereits besiedelt, was 1937 bei dem Bau der Mattenberg-Siedlung festgestellt wurde. Bei Ausschachtungsarbeiten in der Nähe der heutigen Kronenackerstraße fand man die Reste einer Siedlung aus der La Tene-Zeit mit Tonscherben aus der Bandkeramik-Zeit. Auf dem Geländer der Lehr- und Versuchsanstalt in der Oberzwehrener Straße wurde ein Vorratsgefäß aus der Spät-La Tene-Zeit geborgen. Beim Bau der Brückenhof-Siedlung wurden Tonscherben von den Rhein-Weser-Germanen gefunden. Beim Pflügen seines Ackers am Mattenberg fand ein Bauer ein Steinbeil aus der Michelsberger-Zeit.

Wann und warum die Siedlung von der Bevölkerung aufgegeben wurde, ist nicht bekannt. Im Jahre 1429 erscheint in der Gudensberger Chronik ein Amtmann Curt von Mattenberg. Bis 1445 beglaubigt man die Ansiedlung Mattenberg noch in verschiedenen Urkunden. Zu dieser Zeit nennt sich ein gut besuchter Gasthof in Kassel nach dem Ort. 1472 lebte die Witwe eines Conrad von Mattenberg in Neustadt bei Marburg. Sie besitzt dort ein Haus und in Wehrshausen einen Hof. Dieses war die letzte Nennung des Namens Mattenberg.

Die Historiker vermuten, dass Niederzwehren eine chattische Siedlung war, aus der um 1196 der heutige Ort Oberzwehren als Aussiedlerhof entstanden ist. Wie Urkunden belegen , war Oberzwehren lehnspflichtig an die Klöster Weißenstein (Wilhelmshöhe), Kaufungen, Burghasungen und später Nordshausen sowie dem Landgrafen.

1243 wird eine Familie von Twern(von Zwehren) mit Gütern in Oberzwehren erstmals erwähnt. 1257 gründen Zisterzienserinnen das Kloster Nordshausen. Da die Klosterinsassen besonderer seelsorgerischer Betreuung bedurften, wird der bis dahin in Oberzwehren amtierende Pfarrer durch Anweisung des zuständigen Grafen Adalbert VI nach Nordshausen versetzt. Bis zu diesem Zeitpunkt zählte die kleine Gemeinde Nordshausen zum Kirchspiel Oberzwehren. In Oberzwehren gab es damals schon eine Kirche mit Friedhof, in Nordshausen nur eine Kapelle. 1260 kann man in einer Urkunde lesen:“ Der Hof von Volkhard von Tweren liegt in Oberzwehren über dem Heisebach gegenüber der Kirche“. Auf diesem Grundstück „An der Kirche 3“ steht noch heute ein altes Gutshaus(Bettenhäuser). Im Jahr 1280 untersteht Oberzwehren der Verwaltung des Amtes Baune. Der Ort besteht nur aus wenigen Gehöften, die Bewohner gehen der Landbestellung nach.

1459 gibt es in Oberzwehren 11 Bauernhöfe mit 39 Hufen belehntem Land. 1526 sind in Oberzwehren 17 Bauern angesiedelt mit 43 Hufen belehntem Ackerland. 1524 tritt Landgraf Philipp zum evangelischen Glauben über, damit wird ganz Hessen evangelisch. Der bisher für das Kirchspiel Nordshausen/Oberzwehren zuständige katholische Pfarrer Werner Grünberg wird evangelisch und hält den Gottesdienst erstmals in dieser Lithurgie. 1539 gibt es in Oberzwehren 18 Bauern mit 43 Hufen Land. 1540 verfügt der Landgraf, dass der Grundbesitz der Klöster in Oberzwehren der Universität Marburg zugestellt werde. In 1582 ist der Schöppenstuhl in Niederzwehren für die Verwaltung, die Polizei und die Gerichtsbarkeit zuständig. In Oberzwehren gibt es 22 Bauern mit 42 Hufen Land.

1611 wird in einer Urkunde eine Kirche mit Glockenturm und Kirchturmuhr erwähnt. Ab 1623 wird von dem Pfarrer ein Kirchenbuch geführt. Der 30jährige Krieg verschont 1637 Oberzwehren nicht, zweimal nehmen feindliche Horden alles habhaft werdende Vieh mit fort. 1701 bis 1717 müssen viele Oberzwehrener Bürger an dem Bauwerk des Herkules in Wilhelmshöhe arbeiten. 1720 wird erstmals ein Schulmeister in den Unterlagen von Oberzwehren genannt. 1733 wird ein Grebe(Bürgermeister) als Vertreter des Landgrafen genannt. 1748 hat das Dorf Oberzwehren noch kein eigenes Schulgebäude, der Unterricht findet in der Wohnung des Schulmeisters statt. 1750 wird das erste Gasthaus gebaut, der Lindenhof. 1766 lassen sich 6 junge Männer zum Kriegsdienst in Nordamerika anwerben, nach dem Krieg kommen 4 zurück, 2 siedeln in Amerika an.

1812 bekommt das Dorf seine erste Hebamme und 1816 erfolgt die erste Pockenschutzimpfung im Ort. 1820 wird die baufällige evangelische Kirche abgerissen und die heutige Thomaskirche an deren Stelle gebaut. In 1838 hat Oberzwehren einen ausgebildeten Schullehrer. Die nicht mehr benötigte Zehntscheune am Dorfplatz wird abgerissen und 1848 das erste Schulhaus an dieser Stelle gebaut.

1849 ist die erste Eisenbahnanlage in der Gemarkung fertig gestellt. Von 1852 bis 1870 wandern ca. 30 Bürger nach Chile und ca. 10 nach Nordamerika aus. 1855 wird der Friedhof an der Kirche geschlossen und zum Steinhof in der heutigen Oberzwehrener Straße(Ehrenhain am Kriegerdenkmal) verlegt. 1879 besuchen 140 Schüler die Schule Oberzwehren. 1885 entsteht das zweite Schulgebäude an der Altenbaunaer Straße. 1886 bekommt das Dorf eine Wasserleitung, vor verschiedenen Häusern werden öffentliche Zapfstellen errichtet. Davor mussten die Bewohner ihr Wasser aus dem Heisebach oder den 15 Ziehbrunnen holen. 1891 wird von der königlichen Eisenbahndirektion Cassel der Eisenbahnhaltepunkt Oberzwehren eingerichtet. In das rein evangelische Dorf zieht der erste katholische Christ aus Bayern. 1893 wird der Ort mittels Landpost von der Postagentur Niederzwehren versorgt. Die Oberzwehrener Darlehenskasse wird gegründet. Im Jahre 1898 erhält Oberzwehren eine Posthilfsstelle, die 1900 in eine Postagentur umgewandelt wird.

1903 nimmt die die Fluren Oberzwehrens berührende Naumburger Kleinbahn(der Bahnhof Nordshausen liegt auf Oberzwehrener Gebiet) ihren Betrieb auf. 1904 wird das dritte Schulgebäude in der Mattenbergstraße eingeweiht. 1906 hat die Schule 164 Schüler. 1913 besuchen dann schon 326 Kinder die Schule. Das Dorf bekommt elektrischen Strom und die erste Arztpraxis. 1917 herrscht bedingt durch den 1. Weltkrieg große Hungersnot.

1921 kommt der letzte Oberzwehrener Soldat aus russischer Gefangenschaft nach Hause(aus Turkestan). 1922 bekommt die Volksschule in der Mattenbergstraße einen vierklassigen Anbau. 1923 in der Inflationszeit verliert das Geld seinen Wert und wird auf Rentenmark umgestellt. Im Ort bildet sich eine freiwillige Feuerwehr. 1928 eröffnet die KOG(Kasseler Omnibus Gesellschaft) die erste Busverbindung nach Kassel. Die Volksschule besuchen 254 Kinder. 1929 hat Oberzwehren eine Gesamtfläche von 471 Hektar, davon sind 23 Hektar bebaut. 1931 herrscht durch die hohe Arbeitslosigkeit große Not in der Gemeinde. 1933 werden alle Ortsvereine aufgelöst und 1936 Oberzwehren in die Stadt Kassel eingemeindet. 1937 wird die Dönche für einen Truppenübungsplatz enteignet und die Mattenbergsiedlung wird gebaut. Durch diese Maßnahme müssen verschiedene Bauern umgesiedelt werden. 1939 beginnt der zweite Weltkrieg.

1940 wird Oberzwehren an das Straßenbahnnetz der Stadt Kassel angeschlossen. 1941 fallen die ersten Bomben, der Bahnhof Oberzwehren und drei Häuser werden getroffen, es gibt erste Tote. Die Schule hat 544 Schüler.

In den nächsten Jahren werden durch Luftangriffe mehrere Häuser zerstört oder stark beschädigt. Viele Bürger sind gefallen. Am 1. April 1945 erreichen die Amerikaner Oberzwehren. In den Straßen des Ortes finden heftige Kämpfe statt. Man spricht von 57 Toten. Am 4. April kapituliert die Stadt Kassel. 1945 räumen die Deutschen auf Anweisung der Amerikaner die Mattenberg-Siedlung. Sie dürfen erst 1949 wieder ihre Wohnungen beziehen. 1948 löst sich die evangelische Kirchengemeinde nach 691 Jahren von Nordshausen und wird wieder selbständige Pfarrei. In der Mattenberg-Siedlung entsteht eine zweite evangelische Gemeinde. 1955 kehrt der letzte Kriegsgefangene aus Oberzwehren aus Sibirien zurück.

Ab 1960 entstehen weitere Siedlungen um Oberzwehren. Es gehen 927 Kinder in die Schule. 1962 wird die katholische Pfarrgemeinde St. Nikolaus von Flüe eine selbständige Pfarrkirchengemeinde. 1963 hat die Schule Oberzwehren einen Rektor, 50 Lehrer und 1067 Kinder. 1967 verlässt der letzte Bauer Oberzwehren. Bauernland ist jetzt Bauland geworden. Die Schule besuchen 1395 Schüler.

1970 wird der erste Bauabschnitt der Universität(AVZ) in der Heinrich-Plett-Straße begonnen. 1976 wird die neue Sportanlage Heisebach eingeweiht. 1981 sucht der chilenische Militärattache, Bruno Siebert, in Bonn durch Rundschreiben Verwandte in Oberzwehren und findet sie. Seine Vorfahren waren 1852 aus Oberzwehren nach Chile ausgewandert. 1984 müssen wegen des Neubaus der ICE-Strecke 28 Häuser abgerissen werden. 1989 werden an der Georg-August-Zinn-Schule 255 ausländische Kinder unterrichtet. 1994 entstehen die ersten Lebensmittelgroßmärkte im Vorort. Die erste Straßenbahn fährt bis Baunatal. 1997 wird eine neue Straßenbahnlinie von Oberzwehren bis zum ICE Bahnhof Wilhelmshöhe eingeweiht. 1998 hat der Glockenturm der Thomaskirche Untergrundprobleme, der Untergrund muss verstärkt werden. Im Jahre 2000 wird das 100jährige Bestehen der Lehr- und Versuchsanstalt feierlich begangen, die im Jahre 2005 geschlossen wird.

Im Jahre 2006 wird nach langer Umbauphase die alte Turnhalle Berlitstraße als Mehrzweckhalle Berlitstraße wieder eröffnet.

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